PädagogInnenbildung Neu

oder „Es ist noch zu früh, um zu feiern“

Seit 2008 wird in „ExpertInnengruppen“ an einer PädogInnenbildung mit „zentralen Eckpunkte(n) für eine moderne Ausbildung für Lehrerinnen und Lehrer“ [1] gearbeitet.
Am 3. April 2013 haben Schmid und Töchterle bereits zum zweiten Mal einen Gesetzentwurf präsentiert, dessen Umsetzung sich seit April auch die Universität Wien widmet. Eine Entwicklungsgruppe für die Uni Wien wurde im April beauftragt, die Rahmenbedingungen für das aktuelle Lehramtsstudium in die Struktur des Bologna-Systems zu überführen.

Ein achtsemestriger Bachelor mit 240 ECTS – und ein bis dato noch nicht definierter Master mit einer ebenso wenig verhandelten Induktionsphase (Berufseinführung) – soll nun im Sinne des mehr als lückenhaften Regierungsentwurfes, konzipiert werden. Der Bachelor, sowie der Master, sind für die allgemeinbildende Sekundarstufe vorgesehen und laut Regierungsentwurf sowohl von den PHs als auch von den Unis zu bespielen. Die Trennung von PH und Unis soll aufgehoben werden, die LehrerInnen(aus)bildung eine gleichwertige sein. Dies sieht das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung naturgemäß anders: „Die Anforderungen an einen Deutschlehrer in der NMS [Neue Mittelschule] sind andere als die an einen Deutschlehrer in einem humanistischen Gymnasium“ [2]. Dass aber durch die Trennung der LehrerInnenbildung auch weiterhin an einem „Zwei-Klassen-Schulsystem“ festgehalten wird, ist erst in zweiter Instanz ersichtlich. Sowie aber auch die „Neue Mittelschule“ nur eine Umetikettierung erfahren hat, läuft nun auch die LehrerInnenbildung an der Universität Wien Gefahr, einem Ummaschelungsprozess zu unterlaufen: der achtsemestrige Bachelor entspricht dem derzeitigen Diplomstudium ohne dem zusätzlichen Semester für die Diplomarbeit.

Inwiefern Querschnittsmaterien wie Mehrsprachigkeit, Inklusionspädagogik (derzeitige „Sonderschulausbildung“) und anderes in einem derart straff auferlegten Bachelor an der Universität Platz finden wird, ist fraglich; insbesondere, da der aktuelle Regierungsentwurf keine freien Wahlfächer oder Erweiterungscurricula vorsieht. Umso vehementer wird seitens der ÖH gefordert, dass das Lehramt nicht in das Bologna-System gepresst wird, ohne jegliche Neuerungen, wie früher einsetzende Praxis – welche nicht daraus besteht, eine einzige Stunde mit drei KollegInnen zu halten – und fachdidaktische Lehrveranstaltungen, welche mit den Fachwissenschaften verschränkt angeboten werden. An der Uni Wien soll in Zukunft ein Praxissemester angeboten werden, bei welchem alle vier Säulen der LehrerInnenbildung (Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Bildungswissenschaft und Schulpraxis) vereint sind. Das Praxissemster ist zu begrüßen, doch darf es nicht die einzige Praxis im Studium neben dem Pädagogischen Praktikum (PÄP) in seiner jetzigen Form sein.

Die PH ist vor allem für das frühe Einsetzen der Praxis bekannt und bietet primär in dieser Säule eine Kooperationsmöglichkeit mit den Universitäten. Das oft genannte Argument der notorischen wissenschaftlichen Insuffizienz, die den PHs oft unterstellt wird, steht jenem der in der Lehrerinnenbildung äußerst dogmatischen Universität gegenüber. Der neue Regierungsentwurf sieht vor, dass statt eines zweiten Schulfaches auch eine Spezialisierung in Medienpädagogik, Inklusionspädagogik, Mehrsprachigkeit und anderem möglich ist.
Diese Alternative ist zumindest für die PH kein Novum, was ebenso eine Kooperationsfläche zwischen den beiden Institutionen ermöglicht und wünschenswert macht.

Dass vor allem der Master Konflikte provoziert, liegt nicht zuletzt an der Tatsache, dass ihn auch die Pädagogischen Hochschulen anbieten werden dürfen und an der Ungewissheit der Integrierung der ein- bis zweijährigen Induktionsphase in den Master selbst. Jener muss mindestens 60 ECTS umfassen und ein maximales Ausmaß von 120 ECTS annehmen. Die Forderung der Österreichischen HochschülerInnenschaft, dass es ein Masterstudium mit 120 ECTS mit einer integrierten Induktionsphase geben sollte, nicht nur um die soziale Absicherung der StudentInnen, sondern auch um eine internationale Anerkennung des Abschlusses zu garantieren, ist grundlegend. Ein 90 ECTS Master, wie er für die Uni Wien vorgesehen ist, kann auch die Auswirkung haben, dass er nicht zum Doktorat befähigt.

Ein weiteres Politikum, das seit Jahren grassiert, ist die Frage der Fortbildung. Bis dato waren es immer nur die PflichschullehrerInnen, die zur Fortbildung verpflichtet wurden und die PHs, die diese getragen haben. Es muss der Anspruch gestellt werden, dass in Zukunft alle PädagogInnen zur Fortbildung verpflichtet werden, um auch in Zukunft einen guten Unterricht zu garantieren, und dass sowohl Unis als auch PHs Fort-und Weiterbildungskurse anbieten.

Die kommenden curricularen Entwicklungen, die an der Uni Wien dreistufig vonstatten gehen sollen, müssen zur Sicherung der Qualität und des tatsächlichen Fortschrittes der LehrerInnenbildung von den Vorgaben des Regierungsentwurfes abweichen dürfen. Selbst ein parteipolitisch eingesetzter Qualitätssicherungsrat, der lediglich eine „Stellungnahme“ zu den Curricula abgeben darf, die aber bei Nichtrespektierung zur Streichung staatlicher Finanzierung der Universitäten führt, darf keinen Einfluss auf die Umsetzung der LehrerInnenbildung neu an der Uni Wien nehmen. Die LehrerInnenbildung darf keinem Kräftemessen zwischen dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF) und dem Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) und ergo den PHs und Universitäten unterliegen und somit eine mögliche fruchtbare Kooperation und Neuerungen verunmöglichen. Die Österreichische HochschülerInnenschaft fordert daher einmal mehr, dass das Lehramt keine Nivellierung nach unten erfährt, sondern eine qualitativ hochwertige Ausbildung in Kooperation mit den Pädagogischen Hochschulen wird, die keinen parteipolitischen Diktaten unterworfen und den Ansprüchen zukünftiger Anforderungen an LehrerInnen gerecht wird.

[1] http://www.bmukk.gv.at/medienpool/19218/labneu_endbericht.pdf
[2] http://diepresse.com/home/bildung/schule/1384678/Toechterle-und-Schmied-streiten-um-AHSLehrer